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Startseite > Veranstaltungen > 2007 > 60 Jahre Rheinland-Pfalz

16.05.2007

60 Jahre Rheinland-Pfalz

Rede des Staatsministers für Finanzen, Prof. Dr. Ingo Deubel:

"Guten Morgen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie zur ungewöhnlichen Zeit, am Samstag Vormittag, zum Tag der offenen Tür im Finanzministerium begrüßen und freue mich sehr, dass Sie gekommen sind und Ihr Interesse an unserer Tätigkeit bekunden. Besonders möchte ich die Vertreter der Architektenkammer begrüßen und mich bei Ihnen für die Mitgestaltung des Tages bedanken. Wenn ich in die Runde sehe, sehe ich viele vertraute Gesichter, die sich über die Jahre dem Staatsbau gewidmet haben. Ich darf nicht zuletzt all die begrüßen, die bisher mit dem staatlichen Bauen noch nicht in Berührung gekommen sind und sich hier über unser Tun informieren wollen.

Fürchten Sie bitte nicht, dass ich Sie nun durch 60 Jahre Bauen in Rheinland-Pfalz führe.

Wie Sie sehen, haben wir einiges für Sie vorbereitet und aufgebaut. Sie können sich von unserer Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes selbst „ein Bild“ machen. Ich lade Sie im Anschluss insbesondere zur Filmpräsentation aber auch zu Gesprächen mit der Architektenschaft ganz herzlich ein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauabteilung des Finanzministeriums beantworten gerne Ihre Fragen.

60 Jahre Bauen in Rheinland-Pfalz hat eine wechselvolle Geschichte. In der Wiederaufbauphase mussten vor allem die Folgen des Krieges beseitigt, Infrastrukturen geschaffen und ein immenser Bedarf an Wohnraum gedeckt werden.

Spätestens Mitte der 60er Jahre waren die Grundbedürfnisse befriedigt und erste Qualitätsdebatten konnten geführt werden. Ich erinnere an die Streitschrift Mitscherlichs, der mit der „Unwirtlichkeit der Städte“ die Anonymisierung des Wohnens in den Vorstädten beklagte. Die Erblasten von damals beschäftigen uns noch heute.

Planen und Bauen war und ist stets ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Dem Staat fällt vor allem die Aufgabe zu, die Rahmenbedingungen zu schaffen und zu sichern. Er kann sich aber auch der Qualitätsdebatte nicht entziehen. Er ist im Sinne eines funktionierenden Gemeinwesens gefordert, sich zur Qualität zu bekennen.

Zu den herausragenden Beispielen staatlichen Bauens in den 50er Jahren zählen vor allem Solitärbauten, wie die Struktur- und Genehmigungsdirektion in Neustadt an der Weinstraße und die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Diese Bauten stehen mittlerweile unter Denkmalschutz und finden auch in der Fachpresse eine breite Beachtung.

Die 70er Jahre waren vor allem geprägt durch die Gründung der Universitäten in Kaiserslautern und Trier.

Im Zuge der Konversion, eine der größten baulichen Herausforderungen, die das Land zu bewältigen hatte, wurden in den 90er Jahren die Fachhochschulen in Birkenfeld und Zweibrücken neu gegründet, aber auch vorhandene Fachhochschulen und Universitäten, wie zum Beispiel in Worms, Koblenz und Trier weiter ausgebaut.

Nach der Jahrhundertwende standen vor allem die Programme „wegweisend…auf Geschichte bauen“ sowie die „Sanierung, Modernisierung des Wissenschaftszentrums Mainz“ im Mittelpunkt des Landesbaus. Allein für das letzte Projekt werden über die Jahre 350 Millionen Euro zu investieren sein. Die wesentlichen Projekte sind im Film zu sehen.

60 Jahre Rheinland-Pfalz bedeuten auch 60 Jahre Wohnungsbau. Die Entwicklung von 1950 bis heute spricht eine deutliche Sprache. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 stieg die Zahl der Wohnungen im Lande von 300.000 auf 1 Million an. Aktuell werden 1,9 Millionen Wohnungen gezählt. Insgesamt wurden 370.000 Sozialwohnungen geschaffen. In den letzten fünf Jahren hat sich der Schwerpunkt auf die Modernisierung der Wohnungsbestände verlagert. Der Mietwohnungsbau boomte in den 60er und 70er Jahren. Ihm kommt mittlerweile nicht mehr die Bedeutung zu. Die Baufertigstellungszahlen in den letzten fünf Jahren signalisieren eine gewisse Stagnation, wobei regionale Unterschiede zu beachten sind.

Nicht nur auf 60 Jahre Staats- und der Wohnungsbau schauen wir zurück, sondern auch 60 Jahre Rechtsetzung im Baubereich.

Im Zuge der Entbürokratisierung kann man auf zwei große Novellierungen der Landesbauordnung zurückblicken, die dem Bauen sukzessive mehr Freiheiten einräumten. Unter dem Stichwort „Deregulierung“ wurde im Jahr 1987 / 1988 die Landesbauordnung einschneidend überarbeitet. Dabei ging vor allem die Verantwortung von der Baubehörde auf den Einzelnen über. Mittlerweile werden dazu auch kritische Stimmen laut. Insbesondere unter dem Aspekt der Qualitätssicherung werden Bauvorlageberechtigung und Bauleitung wieder verstärkt nachgefragt.

Während in den 50er, 60er und 70er Jahren die Aufgaben noch in klassischen Verwaltungsstrukturen wahrgenommen wurden, musste sich auch die Verwaltung im Laufe der Zeit den geänderten Rahmenbedingungen anpassen. So hat das Land Rheinland-Pfalz 1998 als erstes Bundesland den Weg von der kameralistisch ausgerichteten Verwaltung in einen kaufmännisch arbeitenden Landesbetrieb gefunden. Dort werden die Immobilien zentral verwaltet, unterhalten und bedarfsgerecht belegt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie mich nun zum Abschluss kommen. Ich darf mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag im Regierungsviertel, wo Sie noch ein großes Angebot erwartet."

Jubilaeums-Journal.pdf (2.33 mb) 60 Jahre Rheinland-Pfalz Jubiläums-Journal