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Startseite > Veranstaltungen > 2005 > Wein + Architektur 2

07.11.2005

Wein + Architektur 2

Weinbau statt Katerstimmung

Symposium und Workshops am 7. November 2005 Dienstleistungszentrum Rheinhessen - Nahe - Hunsrück in Oppenheim

Die Weinbaubetriebe im kalifornischen Nappa Valley, in Spanien und Österreich haben es vorgemacht:

Sie verpassten dem guten alten Wein ein frisches Image, warben mit schicken Etiketten und verwandelten schummrige Kellerstübchen in lichtdurchflutete Showrooms. Auch hierzulande scheint man die verkaufsfördernde Wirkung moderner Architektur zu erkennen. So nutzten rund 170 Winzer und Architekten das Symposium "Wein und Architektur 2", dass die Architektenkammer Rheinland-Pfalz zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, dem Dienstleistungszentrum Rheinhessen - Nahe -Hunsrück, der Landwirtschaftskammer sowie den Weinbauverbänden Pfalz und Rheinhessen am 7. November veranstaltete.

Nachdem schon die Tagung am 6. Juni in der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben auf breite Resonanz stieß, wurde die Reihe nun im Dienstleistungszentrum in Oppenheim fortgesetzt und thematisch ergänzt. Workshops und Vorträge zur Finanzierung, Bautechnik und Produktion lieferten den Teilnehmern pragmatische Hilfestellung für eigene Bauvorhaben.
 
Auch die Ästhetik kam nicht zu kurz. Eine Reihe von herausragenden Bauprojekten zeigte, dass auch die Winzer in Rheinland-Pfalz längst Geschmack an moderner Architektur gefunden haben. Ein Engagement, das sich gerade für Winzer und Architekten in Rheinland-Pfalz auszahlen könnte. 
 
In doppelter Hinsicht: Ökonomisch, denn der Weinbau bietet ein großes Marktpotential, aber auch gestalterisch: Welch eine Chance für Planer Alt und Neu inmitten der Weinberge spannungsvoll gegenüber zu stellen. Doch der Aufbruch in die moderne Weinarchitektur ist häufig nicht ohne Altlasten: Verwinkelte Räume, lange Wege, altertümliche Technik. Wie sich solche Hürden elegant und phantasievoll überwinden lassen, zeigten die beiden in den Workshops vorgestellten Erweiterungen. Die Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich bei den Architekten über Finanzierung, technische und gestalterische Details zu informieren. Im dritten Workshop ging es um die Auswirkungen von (Innen-)Architektur und Design: Kann eine sinnliche und erlebnisreiche Gestaltung den Absatz ankurbeln?

Und ob. Denn die Anforderungen der Weinliebhaber haben sich grundlegend geändert. Der Kunde ist auf der Suche nach einem Weinerlebnis. Um auf dem Markt zu bestehen, müssten sich Weingüter als Marke etablieren. Der Kunde wolle wissen, wo der Wein herkommt und wie er entsteht. Er will hinter die Kulissen blicken. Offenheit und Transparenz, von der Produktion bis zur Vermarktung, schafften Vertrauen in die Qualität. Moderne Weinarchitektur müsse deshalb multifunktional sein und Einblicke erlauben. Aber sie muss auch zum Winzer passen, erst dann entsteht Authentizität.

Eine solch geglückte Symbiose lässt sich im historischen Dorfkern von Malans am Fuße des Schweizer Wettikon-Massivs erleben. Früher musste Winzer Peter Wegelin den Wein zeitaufwendig im barocken Schlosskeller abfüllen. Heute stapeln sich Verkauf, Produktion und Lager auf drei kompakten Geschossen, die der Churer Architekt Konrad Erhard elegant in den Hang eingrub.

Als Fassade für die unteren beiden Ebenen verwendete Erhard die regionaltypischen Stützmauern der Weinberge. Auf den steinernen Sockel setzte er einen Glaspavillon mit spektakulärem Blick auf die Weinberge. Im Barriquekeller inszenierte der Architekt die Eichenfässer wie Ausstellungsstücke, indem er Wände und Decken schwärzte und den Boden aus rotem Hartbeton durch tiefstrahlende Leuchten zum Glühen bringt.

Neben gestalterischem Feingefühl müssen Weinbauten komplexen Anforderungen an Produktion und Technik genügen. Daran erinnerten Bernhard Degünther vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Oppenheim und Johann Seckler von der Fachhochschule Geisenheim. Dezidiert rechnete Degünther den Flächenbedarf für ein mittelständisches Weingut vor und zeigte, wie sich der Wein effizient und kostengünstig lagern lässt. Auch gestalterisch sei es sinnvoll, die Betriebsflächen nach Möglichkeit "verschwinden zu lassen".

Und so wünschte sich der Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Michael E. Coridaß, in seinem Schlusswort neben einem durch die Architektur gestärkten Weinabsatz vor allem positive Beiträge zur Landschafts- und Ortsgestaltung. "Wir brauchen keine Kopien, sondern eigenständige, regionale Lösungen", forderte Coridaß.
 
Eine solche konnten die Teilnehmer nach der Tagung besichtigen:
Für das denkmalgeschützte Weingut Bürgermeister Carl Koch Erben in Oppenheim benötigte die Winzerfamilie eine neue Abfüllhalle. Gehbauer helten architekten verpackten den Anbau mit mannshohen Cortenstahlplatten, deren Patina vorzüglich mit den porösen Mauern des Bestandes harmoniert. Eine Lösung, die Dorf- und Landschaftsbild bereichert und zeigt, dass traditionelle Weinkultur und zeitgemäße Gestaltung kein Gegensatz sind.

Weiterführende Infos » 

Wein_Architekur_2.pdf Einladungsflyer zum 2.Symposium