Sie verpassten dem guten alten Wein ein frisches Image, warben mit schicken Etiketten und verwandelten schummrige Kellerstübchen in lichtdurchflutete Showrooms. Auch hierzulande scheint man die verkaufsfördernde Wirkung moderner Architektur zu erkennen. So nutzten rund 170 Winzer und Architekten das Symposium "Wein und Architektur 2", dass die Architektenkammer Rheinland-Pfalz zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, dem Dienstleistungszentrum Rheinhessen - Nahe -Hunsrück, der Landwirtschaftskammer sowie den Weinbauverbänden Pfalz und Rheinhessen am 7. November veranstaltete.
Nachdem schon die Tagung am 6. Juni in der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben auf breite Resonanz stieß, wurde die Reihe nun im Dienstleistungszentrum in Oppenheim fortgesetzt und thematisch ergänzt. Workshops und Vorträge zur Finanzierung, Bautechnik und Produktion lieferten den Teilnehmern pragmatische Hilfestellung für eigene Bauvorhaben.
Auch die Ästhetik kam nicht zu kurz. Eine Reihe von herausragenden Bauprojekten zeigte, dass auch die Winzer in Rheinland-Pfalz längst Geschmack an moderner Architektur gefunden haben. Ein Engagement, das sich gerade für Winzer und Architekten in Rheinland-Pfalz auszahlen könnte.
In doppelter Hinsicht: Ökonomisch, denn der Weinbau bietet ein großes Marktpotential, aber auch gestalterisch: Welch eine Chance für Planer Alt und Neu inmitten der Weinberge spannungsvoll gegenüber zu stellen. Doch der Aufbruch in die moderne Weinarchitektur ist häufig nicht ohne Altlasten: Verwinkelte Räume, lange Wege, altertümliche Technik. Wie sich solche Hürden elegant und phantasievoll überwinden lassen, zeigten die beiden in den Workshops vorgestellten Erweiterungen. Die Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich bei den Architekten über Finanzierung, technische und gestalterische Details zu informieren. Im dritten Workshop ging es um die Auswirkungen von (Innen-)Architektur und Design: Kann eine sinnliche und erlebnisreiche Gestaltung den Absatz ankurbeln?
Und ob. Denn die Anforderungen der Weinliebhaber haben sich grundlegend geändert. Der Kunde ist auf der Suche nach einem Weinerlebnis. Um auf dem Markt zu bestehen, müssten sich Weingüter als Marke etablieren. Der Kunde wolle wissen, wo der Wein herkommt und wie er entsteht. Er will hinter die Kulissen blicken. Offenheit und Transparenz, von der Produktion bis zur Vermarktung, schafften Vertrauen in die Qualität. Moderne Weinarchitektur müsse deshalb multifunktional sein und Einblicke erlauben. Aber sie muss auch zum Winzer passen, erst dann entsteht Authentizität.
Eine solch geglückte Symbiose lässt sich im historischen Dorfkern von Malans am Fuße des Schweizer Wettikon-Massivs erleben. Früher musste Winzer Peter Wegelin den Wein zeitaufwendig im barocken Schlosskeller abfüllen. Heute stapeln sich Verkauf, Produktion und Lager auf drei kompakten Geschossen, die der Churer Architekt Konrad Erhard elegant in den Hang eingrub.