Im Sinne unseres ganzheitlichen Ansatzes wurden die Themenfelder Architektur mit Innen- und Landschaftsarchitektur, Stadtplanung/Ortsentwicklung, Infrastruktur, Verkehr, Industrie/Gewerbe, Ökologie, Denkmalschutz und Bildung angesprochen. Ziel der Veranstaltung war es, zu den einzelnen Bereichen eine „rheinland-pfälzische Bestandsaufnahme bzw. Analyse” vorzunehmen und Perspektiven für die Baukulturinitiative aufzuzeigen.
Zusammenfassung der Veranstaltung
Man dürfe Baukultur nicht als etwas missverstehen, dass man sich nur in guten Zeiten gönnt, so der damalige Finanz- und Bauminister Gernot Mittler, in seiner Begrüßung zur Eröffnung der Fachveranstaltung „Baukultur in Rheinland-Pfalz - Bestandsaufnahme und Ausblick“ vor den knapp 150 Besuchern, die der Einladung auf den Campus der Universität Koblenz gefolgt waren. Die Aufnahme der Baukultur als eigenes Ziel in die Koalitionsvereinbarung für diese Legislaturperiode habe seinen Grund und seine Berechtigung. Mittler warnte davor, die „dringend erforderliche Qualitätsdiskussion“ beim Bauen auf gestalterische oder ästhetische Aspekte „zu verkürzen“. Baukultur müsse auch „städtebauliche, funktionale, technische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Kriterien“ berücksichtigen. Dies gelte für alle Aspekte des Bauens, für den Neubau ebenso wie die Sanierung bestehender Gebäude. Der Präsident der rheinland-pfälzischen Architektenkammer Günther Franz betonte, dass „Baukultur ihre Verankerung auf allen Ebenen politischen und administrativen Handelns“ benötige und vor allem „des Bewusstseins, der Akzeptanz, ja der Verinnerlichung aller gesellschaftlichen Schichten“ bedürfe. Baukultur, so Franz weiter, beinhalte alle Sparten der Befassung mit unserem Lebensraum – beginnend bei der Ausbildung bis hin zum Umgang mit den Ergebnissen baukultureller Bemühungen – gegenwärtiger wie historischer.
In den Fachvorträgen wurde dann genau diese ganze Bandbreite des Themas aufgegriffen:
Von der gesellschaftlichen Einordnung zeitgenössischer Architektur und des Berufbildes „Architekt“, thematisiert von Gerhard Matzig, Süddeutsche Zeitung München, über die Bedeutung und Auswirkungen des demografischen Faktors für den Wohnungs- und Städtebau, ausgeführt von Prof. Eva von Mackensen, Koblenz, bis hin zur Frage „PISA für die Baukultur“, mit der sich Prof. Gert Kähler aus Hamburg, Verfasser des Statusberichtes „Baukultur in Deutschland“ auseinandersetzte. Prof. Topp von der Universität Kaiserslautern zeigte am Beispiel Straßburg eindrucksvoll, wie der Ausbau des Straßenbahnnetzes mit seiner Infrastruktur nicht nur einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität leiste, sondern insgesamt zu einer städtebaulichen Aufwertung der Stadt führte.
Leitender Baudirektor Thomas Metz, verantwortlich für die staatlichen Burgen, Schlösser und Altertümer im Land, Landschaftsarchitekt Klaus Bierbaum und die Leiterin des städtischen Museums Simeonstift, Trier, Dr. Elisabeth Dühr, befassten sich mit den baukulturellen und baukünstlerischen Zeugnissen sowie den Freiräumen im Spannungsfeld von Erhalten, Bewahren und Neugestalten in unserer reichhaltigen und vielfältigen Bau- und Kulturlandschaft. Auf die besondere Rolle der Städte und ihrer Instrumente zur Unterstützung der Baukulturinitiative ging Prof. Gunnar Schwarting vom rheinland-pfälzischen Städtetag ein. Überzeugungsarbeit und positive Beispiele seien entscheidend, so sein Credo, „dabei sollte man nicht alleine auf die Bewertung der Fachleute, sondern auch der Bürgerschaft selbst achten.“ Reinhard Hübsch vom SWR, der die Veranstaltung moderierte, ermutigte die Teilnehmer, den Dialog über die Veranstaltung hinaus fortzuführen. Die Initiative lebe von den Ideen, Projekten und Initiativen, die man in diesen Dialog Baukultur einbringe.


