Entschließung der Vertreterversammlung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, August 2000:
10 Forderungen der Architektenkammer Rheinland-Pfalz an eine zukunftsorientierte Bau- und Architekturpolitik in Rheinland-Pfalz
Präambel
Wie kaum eine andere gesellschaftspolitische Äußerung reflektiert DAS BAUEN die geistige und ökonomische Verfassung einer Gesellschaft.
In einer Phase verbreiteter Globalisierungsanstrengungen und der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche erlangt die KULTUR DES BAUENS zunehmende Bedeutung als sozialer und kultureller Identifikationsfaktor wie auch als Element einer kreativen Wirtschaftsförderungspolitik.
ARCHITEKTUR, INNENARCHITEKTUR, STÄDTEBAU UND LANDSCHAFTSGESTALTUNG bestimmen die Beschaffenheit und das Bild unserer Städte, Dörfer; Landschaften und Arbeitswelten, schaffen die Voraussetzungen für Akzeptanz und Wohlbefinden der Menschen bezogen auf Region und Lebensraum. Förderung und Sicherung des Anspruchs eines jeden Bürgers auf eine lebenswerte, natürliche und gebaute Umwelt sind eine bedeutsame Verpflichtung handelnder Politik.
Zu fordern sind:
- Bewertung und Respektierung von Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung als wichtige Elemente eines verantwortungsbewussten Umganges mit Natur- und Stadtraum (Standortqualität).
- Pflege des baukulturellen Erbes vermittels gezielter Sicherung wertvoller historischer Bausubstanz ggf. unter Einbeziehung zeitgenössischer Gestaltungsmittel.
- Sicherstellung der Voraussetzungen zur Erlangung hoher Gestaltungsqualität in Verbindung mit Kunst und Handwerk bei öffentlichen Baumaßnahmen (Vorbildfunktion).
- Aktive Unterstützung eines unter ästhetischen, sozialen und materiellen Gesichtspunkten hochwertigen Bauens als Wirtschaftsfaktor (Exportförderung !).
- Qualitätssicherung beim Bauen durch gezielte Förderung von Forschung und Innovation zugunsten von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
- Erhalt, Stabilisierung und wirtschaftliche Förderung des bewährten Prinzips Architektenwettbewerb als Instrument zur Ergebnisoptimierung und der Förderung talentierter junger Architekten.
- Bewahrung der Unabhängigkeit der Planung gegenüber einseitig kommerziell motivierter Interessen als Voraussetzung für eine an ethischen Prinzipien orientierten Planungskultur und einem wirksamen wirtschaftlichen Ausführungswettbewerb.
- Konzentration und Beschränkung der öffentlichen Auftraggeber einschließlich der mit ihnen verbundenen Wirtschaftsunternehmen auf eine verantwortungsbewusste Ausübung der Bauherren- und Steuerungsfunktionen.
- Reform der Architektenausbildung, abgestellt auf ein ganzheitliches Berufsbild und internationale Konkurrenzfähigkeit.
- Entwicklung von Strategien zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für ein zukunftsfähiges, architektonisch wertvolles Bauen als öffentliche Angelegenheit vermittels einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit und unter Einbeziehung der Schul- und Erwachsenenbildung.
An Landtag, Landesregierung und Gebietskörperschaften ergeht der dringende Appell, vorstehend formulierte Ansprüche im Rahmen der Verantwortung gegenüber den Bürgern des Landes und ihrem Lebensraum zu beachten und in Form einer aktiven, weitblickenden Bau- und Umweltpolitik umzusetzen.


